[ Journalismus ]
Autor: Michael Gisiger
@ 27.06.2006 20:30 CET
Eine internationale Medienanalyse hat gezeigt, dass Kriegsberichterstatter dazu tendieren, der Linie ihrer Regierung zu folgen, wie der Guardian berichtet.
Media Tenor aus Bonn analysierte die TV-Berichterstattung über den Irakkrieg im Zeitraum zwischen März und April 2003 in Deutschland, Grossbritannien, USA, Tschechien, Südafrika und Quatar.
Die Studie beweist, dass es einen großen Einfluss auf Ton und Themen der Berichterstattung hat, wenn Journalisten in Truppen eingebunden sind. Auch bei der Hintergrundberichterstattung sind grosse Unterschiede zwischen den Medien festzustellen. Verglichen mit dem US-Fernsehen brachten der arabische Nachrichtensender
Al-Jazeera und der deutsche Sender
Deutsche Welle fast doppelt so viel Information über den politischen Hintergrund des Kriegs. In der ersten Woche des Konflikts standen allerdings in allen Ländern Nachrichten über militärische Aktionen an erster Stelle.
Im US-Fernsehen wurde auch kaum über die Rolle der Journalisten im Irak berichtet. Diesem Thema waren nur rund 2,3 Prozent aller Nachrichten gewidmet. Bei der deutschen Berichterstattung, die sich nicht auf
embedded journalists stützte, beschäftigten sich sieben Prozent aller Beiträge mit diesem Thema. (via »
pressetext.ch)
[ Web 2.0 ]
Autor: Michael Gisiger
@ 27.06.2006 20:21 CET
Kürzlich bin ich zufällig über eine Podcast-Episode gestossen, die gewissermassen ein deutsches «Web 2.0 for Dummies» darstellt. Auf dem
Blog des
Ruby on Rails-Programmierers und Kopfes hinter
Qype, Frank Westphal, fiundet sich ein
Audio- (mp3) und ein
Videomitschnitt (m4v) eines seiner Vorträge zum Thema. In etwas mehr als einer Stunde handelt Westphal alles ab, was man wissen muss (sollte).
Empfehlenswert.Seit 2005 gibt es in Deutschland ein
Top-100-Ranking im Bereich
corporate blogs. Interessant an der neusten Liste ist die Tatsache, dass die meisten Blogs von kleinen- und mittelständischen Unternehmen (KMU) stammen. Blogs machen kleine Unternehmen eben gross - sie ermöglichen die schnelle und vernetzte sowie kosteneffiziente Kommunikation auch mit räumlich weit entfernten Partnern. Bekanntere Marken und größere Unternehmen findet man häufig erst auf den mittleren und hinteren Plätzen.
Allerdings - jedenfalls für mich - nicht weiter verwunderlich: Die Branchen
Marketing- und Kommunikation (29 Blogs),
IT (18 Blogs),
Grafik und Design (14 Blogs) nutzen Blogs am häufigsten. Auch die Unternehmensberatungen sind mit 16 Blogs sehr stark vertreten.
Aus persönlicher Erfahrung weiss ich, grosse Unternehmen sind unbeweglicher und träger, was die Auf- und Annahme neuer Ideen, Technologien etc. betrifft. Wer kennt das nicht?
Nach und nach findet auch die holzverarbeitende Industrie zu Blogs. Neu zum Reigen der Zeitungen und Zeitschriften, die auf ihrem Onlineangebot auch noch Blogs einstellen - gewissermassen zur Verwertung der ganzen «Überschussproduktion» - hinzugestossen ist nun das Kampfblatt der Linken in Deutschland, die
«taz». Klammheimlich wurden zur WM
einige Blogs aufgeschaltet. Wenn's scheen macht - aber bitte, ein
«Hitler-Blog», muss das wirklich sein? Wann sieht Deutschland endlich ein, dass es den Rest der Welt nicht interessiert, wie sich die Befindlichkeit der Deutschen in Sachen 1'000jähriges-Reich gestaltet... Oder ist es nur billiges Marketing?
[ Medien ]
[ Web 2.0 ]
Autor: Michael Gisiger
@ 21.06.2006 21:06 CET
OK, ist schon etwas älter, aber die
NZZ hat sich in ihrer letzten Medienbeilage ebenfalls der «Readers Edition» angenommen. Mit dem Untertitel
«Falsche Verheissungen des Bürgerjournalismus» werden - einmal mehr - die typischen Vorbehalte der holzverarbeitenden Industrie (danke,
sms) verbreitet:
«Dass zurzeit die Idee des Bürgerjournalismus Karriere macht, wirkt eigentlich paradox. Denn moderne Gesellschaften zeichnen sich durch Spezialisierung und entsprechend arbeitsteilige Organisation aus. Tätigkeitsfelder, wo jeder alles machen kann und darf, scheinen insofern kaum zeitgemäss. Ihr kommunikativer Gehalt dürfte entsprechend instabil und zufällig bleiben. Und dies ausgerechnet in einer Zeitlage, die ohnehin durch Unübersichtlichkeit und aufgeklärte Ratlosigkeit geprägt ist. [...] Wenn alle gleichzeitig reden, hört niemand mehr etwas. Bürgerjournalismus mag in Ländern eine grössere Rolle erhalten, wo das professionelle Mediensystem relevante Inhalte der Öffentlichkeit vorenthält. In offenen Medienlandschaften wird jedoch der Bürgerjournalismus ein Nischenphänomen bleiben. Dieses wiederum ist ein Symptom der Freizeitgesellschaft, deren Mitglieder sich mit der schwierigen Frage konfrontiert sehen: Was mache ich mit meiner vielen freien Zeit?»
Wer sieht da
seine Felle davonschwimmen? Haben die Gatekeeper
Angst vor ihrem Bedeutungsverlust? Jöö.
Mit einer Auflage von 500'000 Exemplaren hat vergangene Woche der französische Unternehmer Vincent Bollore eine neue Gratiszeitung in Paris und weiteren 14 französischen Grossstädten gestartet. Im Gegensatz zu den Konkurrenztiteln «20 Minutes» und «Métro» erscheint Bollores
«Direct Soir» montags bis freitags erst am späten Nachmittag. Das Blatt soll die Franzosen nach der Arbeit ansprechen und über das Geschehen des Tages informieren. Die Hälfte der Zeitung besteht aus traditionellen Nachrichten, der Rest ist Freizeit- und Kulturthemen gewidmet. Um die Kosten zu senken, greift Bollore redaktionell auf seinen im Vorjahr gestarteten Fernsehsender
Direct 8 zurück. (via »
NZZ)
Erleben wir tatsächlich ein Comeback der Abendzeitungen? Als kleines Schmankerl kann man bei «Direct Soir» sogar einzelne Ausgaben als PDF-File herunterladen. Nett.
[ Medien ]
[ Web 2.0 ]
Autor: Michael Gisiger
@ 21.06.2006 20:49 CET

Seit Ende Mai ist
Zattoo.com online. Zattoo ist ein Unternehmen, das von einem Schweizer mitgegründet und geleitet wird. Die Idee ist dabei so simpel wie einleuchtend: Das TV-Programm wird nicht gestreamt, sondern über das
BitTorrent-Protokoll verbreitet. Konkret heisst das, je mehr User das Programm schauen, desto besser die Qualität. Und: Das alles kostenlos. Bislang läuft - pünktlich zur Fussball-WM - ein Testbetrieb mit den deutschen und französischen Programmen des
Schweizer Fernsehens. Natürlich mit einem eigenen Player, der, nachdem man einen Zugang bekommen hat, heruntergeladen werden kann. In Zukunft sollen weitere Schweizer, deutsche und internationale Programme folgen (u.a.
Sat 1,
TF 1,
BBC World oder
MTV)
Wenn sich diese Umsetzung von
IP-TV bewährt und durchsetzt, dann wäre das in meinen Augen ein grosser Gewinn, sowohl für die Broadcaster, wie auch für den Konsumenten. Wer weiss, vielleicht kommt nach
Webradio nun auch IP-TV für jedermann? Denkbar wäre es - und wahrscheinlich auch im Sinne der Macher.

Seit das Internet immer populärer wurde, verlagerte sich ein immer grösserer Teil der Rekrutierungsmassnahmen in den Online-Bereich. Job-Portale gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und die Online-Bewerbung ist vielerorts schon Beinahe-Standard.
Als einziges widerstand bislang das Bewerbungsgespräch, Neu-Deutsch Job Interview, diesem Trend. Hier will
HireVue Abhilfe schaffen. Die Idee ist so einfach wie bestechend: Statt sich durch Berge von Lebensläufen zu wühlen, sollen die Personalverantwortlichen nun ihre erste Selektion anhand von stamndardisierten Videointerviews vornehmen.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Statt einer kosten- und zeitintensiven ersten Runde von Gesprächen können die Kandidaten bereits visuell und auditiv beurteilt und selektiert werden. Zudem können diese «Pre-Interviews» jederzeit angehalten und angeschaut werden, ortsunabhängig. Bleibt abzuwarten, wie diese Idee angenommen wird. (via »
Springwise)
Das Phänomen des sog.
Long-Tail hat nun auch die Marketing-Welt in Deutschland erfasst. Dabei handelt es sich um die Beobachtung, dass immer mehr Nutzer sich mehrheitlich nicht mehr auf den grossen etablierten Seiten aufhalten, sondern sich ihre Informationen von anderen, kleineren Anbietern holen. Eben dem sog. Long-Tail, also dem "langen Schwanz" von Anbietern abseits der Top 100.
Der Begriff stammt dabei aus dem Online-Buchhandel und bezeichnet ursprünglich die Tatsache, dass der Anteil der Nicht-Bestseller am Umsatz kontinuierlich steigt. Ich habe darüber bereits im Januar auf
choices.li berichtet.
Wie
ecin.de nun
berichtete, untersuchte
Fittkau & Maaß für
eprofessional.de dieses Phänomen auch in Deutschland. Laut der Studie «verbringt bereits ein Drittel der Internet-User zwischen 25 und 75 Prozent die Zeit nicht mehr auf den großen General-Interest-Websites, sondern auf unbekannteren Websites zu Spezial-Themen.» So sehr mich dies als Blogger freut, sosehr stellt es natürlich die Marketing-Verantwortlichen vor ein grosses Problem: Wie, bzw. auf welchen Seiten erreiche ich nun meine Zielgruppe(n)? Meiner Meinung nach etwa so: Durch gezielte Beobachtung der Blogosphäre müssen die für das Unternehmen relevanten Blogs, Vlogs etc. herausgearbeitet werden. So kann auf ihnen - sei es über Google Ads oder anderweitig - gezielt geworben werden. Im Idealfall strebt man eine Kooperation mit den Betreibern der relevanten Angebote an.
Passend dazu noch dieser Hinweis:
team:inmedias hat eine Online-Marketing Studie 2005/06 verfasst, die u.a. den folgenden Fragen nachgeht:
- Welche Erfahrungen haben deutsche Unternehmer bzw. Marketingverantwortliche bisher mit dem Einsatz von Online-Marketinginstrumenten gemacht?
- Was waren die Ursachen für den Erfolg?
- Gibt es besonders erfolgreiche Gruppen und wie ist deren Erfolgsrezept?
Die Studie kann
hier bezogen, bzw. ein kostenloses Extrakt heruntergeladen werden.
[ Blogosphäre ]
Autor: Michael Gisiger
@ 14.06.2006 20:52 CET
Scoopt vermarktet nun nach Fotos und Videos auch Blog-Content oder andere Wortbeiträge. Dazu muss man einen Account eröffnen und einen Button einbinden. Falls jemand den Content kommerziell nutzen will, kann er auf diesen Button klicken und den Erwerb abwickeln. Sccopt behält dabei 50 % des Erlöses ein, der Rest geht an den Autor.
Ich habe mich zu Testzwecken angemeldet und den Button eingefügt (s. Navi rechts) - obwohl ich nicht denke, dass jemand ernsthaft an der Zweitverwertung meiner Texte interessiert ist.
Nice to have.
Falls es trotzdem jemanden interessieren sollte:
