[ Medien ]
Autor: Michael Gisiger
@ 12.07.2006 20:09 CET

Bald nun ist es soweit, Anfang September wird mit
3+ der zweite Versuch, in der Schweiz nationales Privatfernsehen zu machen, starten. Grund genug für die aktuelle
«Werbewoche» das Projekt genauer vorzustellen:
«Initiant und Geschäftsführer Dominik Kaiser kennt als ehemaliger Chef des Kölner Musiksenders Viva Plus und unabhängiger Produzent für das Schweizer Fernsehen das TV-Business. Zuvor war er Mitinhaber einer Trendagentur, publizierte Bücher über Jugendmarketing und war Vorstand im Verein Street Parade. Auch als Musik- und Filmproduzent («The Ring Thing») war er erfolgreich. Als Programmchef hat Kaiser den ehemaligen RTL-2-Programmleiter Torsten Prenter engagiert, der im hart umkämpften deutschen Markt mit sicherem Gespür für Publikumserfolge auf Reality-TV und Doku-Soaps wie «Frauentausch» setzte.
Schlanke Strukturen
Selbst herstellen wird 3+ seine Sendungen nicht. Sie werden von deutschen, aber auch von einheimischen Produktionsfirmen eingekauft. Vorgesehen ist die Zusammenarbeit etwa mit Constantin Entertainment, TresorTV oder Ufa, die entsprechendes Know-how aus Deutschland in die Schweiz mitbringen. Aber auch FaroTV, Ringier-TV und Endemol, die bereits in der Schweiz tätig sind, sollen zum Zug kommen. «Als TV-Sender kann man aus den besten Ideen und den interessantesten Budgets auswählen», sagt Kaiser. Die konsequente Auslagerung der Produktion minimiert das Risiko und hält Budgets und Strukturen schlank. 3+ will mit rund zwanzig fest angestellten Mitarbeitenden auskommen. Möglich macht das der Verzicht auf Information: Die News werden 60 Sekunden dauern, ergänzt mit einem 30-Sekunden-Wetter-Spot.»
Da bin ich ja mal gespannt. Aktuell im Sommerloch wird einem ja allerorts nur Konserven-TV geboten. Man kann sich also schon mal einstimmen auf den Sender. Ob es damit getan ist, um den (laut Kaiser) genügend grossen Werbemarkt im Land zu überzeugen, muss sich weisen. Aber ich wage eine Prognose:
3+ wird
TV3 um - sagen wir mal - ein halbes Jahr überleben. Dixi. Aber auf mich hört keiner.
[ Blogosphäre ]
Autor: Michael Gisiger
@ 08.05.2006 21:54 CET
Letzten Freitag gingen sie über die Bühne, die «1. Swiss Blog Awards». Ich war zwar dort, konnte aber nur am Rahmenprogramm teilnehmen. Die beiden Diskussionen haben mich nicht vom Hocker gerissen, aber gänzlich uninteressant waren sie nicht. Darum auch keine Nachlese (kann man auf dem
Blog zur Veranstaltung selber nachlesen). Das Voting zur Verleihung habe ich also verpasst. Darum hier nur kurz die Sieger - lieber spät als nie:
A propos Pendlerblog: Die Macherin von
textually.org, Emily Turettini aus Genf, liess kürzlich im «Le Matin Bleu» verlauten, sie verdiene mit Google-Ads um die 5'400 Franken im Monat. Nice. Auch ihre Aussage im Artikel:
«Nous les bloggers, nous sommes comme des requins, nous devons toujours chercher quelque chose à nous mettre sous la dent, sinon nous sommes morts. Si mon site n'est pas alimenté pendant deux jours, il disparaîtra. En mon absence, je dois engager quelqu'un.»
Ich hatte es ja schon angetönt - diese Meldung lief heute über den
Kleinreport:
Nachdem Institutsleiter Blum in seinem Jahresbericht Alarm geschlagen und von drohenden Entlassungen per 1. August geschrieben hatte, nahm er diese Aussage jetzt etwas zurück: «Das ist nicht das Problem», sagte er. Vielmehr stehe er vor der Aufgabe, «dass die Umstellung des Studiengangs erst nach einigen Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Studierendenzahl führt. In dieser Übergangszeit haben wir bei reduzierten Personalmitteln weiterhin eine grosse Belastung», brachte er das Thema auf den Punkt.
Neben Sparmassnahmen ist für Roger Blum auch das Thema mehr Einnahmen pendent. «Wir haben bereits unseren Förderverein, der uns stark unterstützt», hob er hervor. «Wir haben auch bereits einige Sponsoren, die immer wieder Lehraufträge finanzieren. Sie stammen alle aus dem Medienbereich. Diesen Kreis möchte ich erweitern.»
Längerfristig sieht es aber im Moment eher danach aus, als ob die Universität Fribourg den Medienbereich fördern wolle, wogegen die Universitätsleitung in Bern den umgekehrten Weg einschlägt. Medienprofessor Blum versucht deshalb, zusammen mit Fribourg zu retten, was noch zu retten ist: «Falls der Ausbau in Fribourg weiter geht, ist dort ein eigener Masterstudiengang des Fachs geplant, an dem sich das Institut in Bern mit einem Modul beteiligen will», sagte er zum Klein Report.
Die Nachricht traf mich als Ehemaligen des
Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Bern (
IKMB) und Mitglied des
Fördervereins doch etwas persönlich. Steht das Institut vor dem Aus? Der Grund für diese Situation: Die Universitätsleitung hat den Ausbau des Instituts von Professor
Roger Blum verweigert, was dieser als «Marginalisierung» kritisierte. Zu recht, in meinen Augen. Immerhin geht es um über 700 Studierende. «Wenn wir nicht zusätzliche Mittel erhalten, können wir die Mitarbeitenden nur bis zum 1. August beschäftigen», schlug Blum im IKBM-Jahresbericht Alarm, der letzte Woche erschienen ist. Weiter schrieb er: «Das motiviert nicht, sondern drückt auf die Stimmung. Das macht die Betreuung der nach wie vor über 700 Studierenden schwierig. Und das gibt keinerlei Erwartungssicherheit, die nötig wäre, um längerfristige Projekte anzupacken.»
Gut, wie ich Roger Blum kenne, wird er noch das eine oder andere As im Ärmel haben. Aber ob es auch dieses Mal wieder reicht, um die Kurve zu kriegen? Ich hoffe es. Die stiefmütterliche Behandlung durch die Unileitung ist ja nicht neu.
Kurt W. Zimmermann, der Medien-Kommentator der «Weltwoche», hat sich in der aktuellen Ausgabe ebenfalls dem Thema Abendzeitung angenommen. Seine etwas differenzierte Sicht der Chancen einer solchen Gratiszeitung in der Schweiz möchte ich hier den Lesern nicht vorenthalten (online nur für Abonennten):
«Zuerst aber wollen wir die Geschichte des Genres Abendzeitung kurz beleuchten. Eigentlich sind Abendzeitungen die klassische Form der gedruckten Nachrichtenvermittlung. News ereignen sich während des Tages und nicht während der Nacht. Darum macht es eigentlich keinen Sinn, eine Zeitung am Morgen herauszugeben. Der Abend ist im Grunde der originale und beste Info-Zeitpunkt, wenn man zeitgerecht für Druck und Distribution sorgen kann. [...] Es ist darum wenig erstaunlich, dass die Abendzeitungen eine Renaissance erleben. In Schweden, der Avantgarde unter den Pendlergesellschaften, haben die beiden grossen Abendzeitungen Aftonbladet und Expressen wieder zügig an Auflage und an Inseraten zugelegt, derweil die klassischen Morgenblätter unter dem Druck der Gratiszeitungen verloren. In Japan, ebenfalls eine exemplarische Pendlernation, erscheinen die grossen Zeitungen wie Yomiuri Shimbun und Asahi Shimbun zwingend mit einer Abendausgabe. Journalistisch zeigt sich beidenorts, dass am Abend weniger die klassischen News als eher Stoffe aus Unterhaltung, People und Lifestyle interessieren.
Der neuste Trend sind Abendblätter, die gratis sind. Der Evening Standard beispielsweise wirft den Standard Lite gratis und gleichzeitig auf den Markt, der morgendliche France Soir ergänzt sich mit dem abendlichen und unentgeltlichen Paris Soir. Der Ringier-Konzern tut genau dasselbe. Mit Heute soll noch vor dem Sommer ein 32 Seiten starkes Abendtabloid gratis in den Verteilboxen liegen.»
Ich bin jedenfalls gespannt auf das Projekt.
In der aktuellen
«Werbewoche» erklärt der künftige Chefredakteur von «heute», Bernhard Weissberg, wie das neue Feierabendblatt von
Ringier positioniert wird und warum es nicht gegen «20 Minuten» antritt:
«Als Journalist bin ich überzeugt, dass Inhalte einen gewissen Wert haben müssen. Auswechselbarer Inhalt hat keinen Wert. Da muss man unterscheiden. Es gibt aber gesellschaftliche Entwicklungen, die man zur Kenntnis nehmen und akzeptieren muss. Noch vor zehn Jahren meinten Werbekunden, der Leser müsse mehr bezahlen. Mittlerweile sehen die das wohl anders.»
Wie wahr, wie wahr...
Hier das ganze Interview.
Die
«Berner Zeitung» (BZ) ist erstmals ohne klassische Ressoreinteilung erschienen. Nur der Sport behält einen eigenen Zeitungsbund. Politik, Wirtschaft, Kultur und Vermischtes werden in ressortübergreifenden Bünden abgehandelt. Im ersten Teil der Zeitung sind unter dem Titel «Heute» neu die Artikel der bisherigen Ressorts Schweiz, Ausland, Wirtschaft, Kultur, und Vermischtes platziert. Der Bund wird neu mit einer Übersichtsseite über alle Themen des Bundes abgeschlossen.
Den zweiten Zeitungsbund eröffnet der Sport, gefolgt von der Leserbriefseite, dem Börsenteil und dem TV-Programm.
Der dritte Bund bleibt den regionalen Meldungen vorbehalten; hier finden sich künftig neben politischen und vermischten Meldungen auch Wirtschafts- und Kulturthemen aus der Region.
Im vierten Bund finden sich weiterhin Spezialseiten zu Gesellschaft und Konsum sowie der ausgebaute Ausgehteil.
Ich frage mich, ob dies wirklich der richtige Weg aus der Krise - rückläufige Leserzahlen und Werbeeinnahmen - ist. Die Zukunft wird es weisen müssen.
Eigentlich ist es ja bereits ein alter Hut: in der Schweiz prosperieren derzeit Konzepte für neue Gratiszeitungen.
Ringier mit seinem schlingernden Flagschiff «Blick» sieht sich gezwungen, dem neuen Primus «20 Minuten» ein eigenes Blatt entgegen zu stellen. Zudem soll auch im Wirtschaftsbereich mit «Cash Daily» ein Gratisblatt an den Start. Aber auch die
Jean Frey AG, Herausgeberin der «Weltwoche», spielt mit dem Gedanken an ein solches Produkt.
Sogar eine Abendzeitung soll es geben, gratis und franko. Ob das gut geht? Der
Klein Report jedenfalls schrieb letzte Woche dazu einen aufschlussreichen Beitrag:
«Seit der Umwandlung der Abendzeitung «Die Tat» in die kurzlebige Tageszeitung «Tat» unter Chefredaktor Roger Schawinski im April 1977 hat es in der Schweiz keine Abendzeitung mehr gegeben. Zwar hat es seither verschiedene Anläufe gegeben, sie sind aber nie bis zur Marktreife gediehen. So arbeitete der spätere «10vor10»-Moderator und heutige «Weltwoche»-Chefredaktor Jürg Wildberger Mitte der 80er-Jahre am Konzept einer «Zürcher Abend-Zeitung», aus der aber mangels Geld nichts wurde. Zehn Jahre später spielte der heutige Bundesrat Christoph Blocher, dem das «Bündner Tagblatt» gehörte, mit dem Gedanken einer konservativen Abendzeitung für die Deutschschweiz. Kurzfristig hätte auch das «Volksrecht»-Nachfolgeblatt «DAZ» («Die andere Zeitung») zum Abendblatt werden sollen. Auch in Bern wurden Abendpläne gewälzt («Tagblatt für die Stadt Bern»). Im Tessin war im Jahr 2003 der Ofen für «Ticino Oggi» nach etwa 200 Ausgaben aus, nachdem es zehn Jahre zuvor die Gratis-Abendzeitung «Buonasera» auf keinen grünen Zweig gebracht hatte.
Das Hauptproblem bei einer Abendzeitung besteht darin, dass sie nur während etwa drei Stunden (von 16 bis 19 Uhr) verteilt werden kann, wozu der Redaktionsschluss je nach Standort der Druckerei(en) auf 13 bis 14 Uhr anzusetzen ist. Zwischen dem Druckbeginn der Morgenblätter und diesem Termin passiert aber in den entscheidenden Nachrichtenmärkten relativ wenig. Es besteht darum die Gefahr, dass in der Abendzeitung nochmals dasselbe steht, was schon in den Morgenausgaben stand. Zudem stehen Abendblätter in einer starken Konkurrenzsituation zu den elektronischen Medien. Jetzt glaubt der Ringier-Verlag an ein «durch Gratiszeitungen verändertes Leseverhalten». Marktforschungen hätten ergeben, dass inzwischen ein Bedürfnis für eine Abendzeitung bestehe.»
Die Schweizer PR-Branche blickt so optimistisch in die Zukunft wie schon lange nicht mehr: Über die Hälfte der führenden PR-Schaffenden rechnet für das laufende Jahr mit einem Anstieg der Kommunikationsbudgets um bis zu zehn Prozent. Auch wird ein teilweise deutlicher Anstieg der Löhne für die qualifizierten PR-Schaffenden prognostiziert. Dies geht aus der Branchenumfrage 2006 des Berufsregisters der Schweizerischen PR-Gesellschaft SPRG hervor. Mehr zur Umfrage
hier. (via »
persoenlich.com)
Die
Aargauer Zeitung macht ein bisschen auf Bürgerjournalismus:
«Leser schicken der AZ ihre Sport Schnappschüsse. Hier sehen sie alle Bilder. Jeweils am Dienstag wird das beste Sportbild auf der Seite mit den Aargauer Sportresultaten in der Aargauer Zeitung veröffentlicht.»
Die Bilder können
hier betrachtet werden.