[ Blogosphäre ]
Autor: Michael Gisiger
@ 06.07.2006 19:36 CET
Im Forum der
openBC-Gruppe "Business Weblogs" stand kürzlich die folgende Bitte, der ich gerne nachkomme:
«Im Rahmen meiner Diplomarbeit am Lehrstuhl Marketing der Ludwig-Maximilians-Universität München führe ich eine Befragung unter Weblog-Lesern zum Thema „Der Einfluss von Qualität auf die Glaubwürdigkeit von Weblogs“ durch.
Die Weblog-Leser sollen dabei ein bestimmtes Weblog auf unterschiedliche Qualitäts- und Glaubwürdigkeitskriterien bewerten. Anschließend soll anhand einer Regressionasanalyse herausgefunden werden welchen Einfluss bestimmte Qualitätskriterien auf bestimmte Glaubwürdigkeitskriterien haben.
Um diese Umfrage durchführen zu können benötige ich viele Weblog-Autoren, die bereit sind, einen Link zu meiner Umfrage auf ihrem Weblog zu veröffentlichen. Sie würden mich sehr unterstützen, wenn Sie innerhalb der nächsten Tage folgenden Link zu meinem Fragebogen auf Ihr Weblog setzen, da ich auf eine rege Teilnahme angewiesen bin, um aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen.»
Hier ist also der
Link zur Umfrage. Nicht vergessen, das Wortgefecht anzugeben. Ich werde dann nach Abschluss der Umfrage (15. Juli) weiter über die Diplomarbeit berichten, zumal allen teilnehmenden Blogs ein Exemplar der Arbeit zugesichert wird.
[ Blogosphäre ]
Autor: Michael Gisiger
@ 05.07.2006 19:41 CET
Immer häufiger wagen Weblog-Autoren den Schritt in den professionellen Journalismus und Finanziers scheinen nicht abgeneigt, das nötige Geld zur Verfügung zu stellen. Die Geldgeber setzen offenbar auf das Medium Blogs. Diese entwickeln sich immer mehr in Richtung qualitativen Journalismus. Besonders der geringe Kapitalaufwand und die grossen Expansionsmöglichkeiten machen das neue Medium attraktiv für Investoren. Vor allem verglichen mit der Neugründung von Magazinen bieten Weblogs eindeutige Vorteile.
Einige professionelle Journalisten, die bisher ihre Weblogs nur nebenbei betrieben, kündigen nun sogar ihre Jobs um sich voll auf das Blog-Business zu konzentrieren. Dabei werden von den Blogs oft sehr spezialisierte Themenbereiche abgedeckt, wie beispielsweise Entwicklungen am Breitband-Markt oder betrügerische Machenschaften von Unternehmen.
Weblogs erleben zwar auch im deutschsprachigen Raum einen Aufschwung, doch hier es gibt bei diesem Thema etwas mehr Zurückhaltung als in den USA. Momentan zeigt die hiesige Wirtschaft leider noch kein besonderes Investitions-Interesse an Blogs, die Bedeutung für den PR-Bereich hat man allerdings schon erkannt.
Für alle, die nicht gerade mit der grossen Kelle anrühren wollen (oder können), hat der Blog
Digitaler Film schon mal
mögliche Geschäftsmodelle für Vlogs zusammengestellt. Einige dieser Vorschläge sind auch auf Blogs und Podcasts anwendbar:
- Syndikation
- Sponsoring
- Productplacement
- Werbung (ach nein?)
- Pre- und Postroll Werbeclips
- Abo und Verkauf der Episoden
Ach ja, Amanda verlässt (oder muss verlassen?) Rocketboom...
Eine Studie von
JupiterResearch hat herausgefunden, dass 35 Prozent der grossen Unternehmen planen,
Corporate Blogs aufzuschalten. Derzeit betreiben rund 34 Prozent der Unternehmen einen Blog. Daher dürfte die Zahl der Corporate Blogs bis zum Jahresende auf fast 70 Prozent ansteigen.
Die Studie zeigt weiterhin, dass Corporate Weblogs nicht ausreichend genutzt werden, um Mund-zu-Mund-Propaganda zu betreiben. Hier liegen ungenutzte Potentiale. Nur 32 Prozent der Unternehmen versuchen über Blogs für ihre Produkte und Services zu werben. Der aktive Dialog mit den Kunden sollte Expertise und Fachwissen demonstrieren. So wird nicht nur die Aufmerksamkeit auf die Produkte gelenkt, sondern es entsteht auch ein Forum für Feedback und Zusammenarbeit. Corporate Blogs sind also nicht zuletzt auch ein Mittel zur Kundenbindung - gerade im wichtigen Segment der
Early Adopters.
Das Einrichten eines eigenen Blogs kann einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der Marke leisten. Zudem lassen sie sich durch das Ausschöpfen der vorhandenen Potentiale - viele CMS bieten Blog-Funktionen - kostengünstig realisieren. Wichtig dabei ist allerdings, dass erstens nicht einfach nur PR in den Blog gestellt wird, sondern mit dem Content auch ein echter Mehrwert geschaffen wird. Zweitens sollte innerhalb des Unternehmens eine klare
Blogging Policy aufgestellt werden: wer bloggt wie über was. Dabei sollte die unternehmenseigene Textkultur (Buzzword
Corporate Wording) nicht vergessen werden.
Mehr dazu auch hier in einem
Artikel (
PDF) von mir.
JupiterResearch lebt übrigens eine aktive Blogkultur. Auf der Seite des Instituts finden sich neben
Blogs auch
Podcasts zu aktuellen Themen.
Seit 2005 gibt es in Deutschland ein
Top-100-Ranking im Bereich
corporate blogs. Interessant an der neusten Liste ist die Tatsache, dass die meisten Blogs von kleinen- und mittelständischen Unternehmen (KMU) stammen. Blogs machen kleine Unternehmen eben gross - sie ermöglichen die schnelle und vernetzte sowie kosteneffiziente Kommunikation auch mit räumlich weit entfernten Partnern. Bekanntere Marken und größere Unternehmen findet man häufig erst auf den mittleren und hinteren Plätzen.
Allerdings - jedenfalls für mich - nicht weiter verwunderlich: Die Branchen
Marketing- und Kommunikation (29 Blogs),
IT (18 Blogs),
Grafik und Design (14 Blogs) nutzen Blogs am häufigsten. Auch die Unternehmensberatungen sind mit 16 Blogs sehr stark vertreten.
Aus persönlicher Erfahrung weiss ich, grosse Unternehmen sind unbeweglicher und träger, was die Auf- und Annahme neuer Ideen, Technologien etc. betrifft. Wer kennt das nicht?
Nach und nach findet auch die holzverarbeitende Industrie zu Blogs. Neu zum Reigen der Zeitungen und Zeitschriften, die auf ihrem Onlineangebot auch noch Blogs einstellen - gewissermassen zur Verwertung der ganzen «Überschussproduktion» - hinzugestossen ist nun das Kampfblatt der Linken in Deutschland, die
«taz». Klammheimlich wurden zur WM
einige Blogs aufgeschaltet. Wenn's scheen macht - aber bitte, ein
«Hitler-Blog», muss das wirklich sein? Wann sieht Deutschland endlich ein, dass es den Rest der Welt nicht interessiert, wie sich die Befindlichkeit der Deutschen in Sachen 1'000jähriges-Reich gestaltet... Oder ist es nur billiges Marketing?
Das Phänomen des sog.
Long-Tail hat nun auch die Marketing-Welt in Deutschland erfasst. Dabei handelt es sich um die Beobachtung, dass immer mehr Nutzer sich mehrheitlich nicht mehr auf den grossen etablierten Seiten aufhalten, sondern sich ihre Informationen von anderen, kleineren Anbietern holen. Eben dem sog. Long-Tail, also dem "langen Schwanz" von Anbietern abseits der Top 100.
Der Begriff stammt dabei aus dem Online-Buchhandel und bezeichnet ursprünglich die Tatsache, dass der Anteil der Nicht-Bestseller am Umsatz kontinuierlich steigt. Ich habe darüber bereits im Januar auf
choices.li berichtet.
Wie
ecin.de nun
berichtete, untersuchte
Fittkau & Maaß für
eprofessional.de dieses Phänomen auch in Deutschland. Laut der Studie «verbringt bereits ein Drittel der Internet-User zwischen 25 und 75 Prozent die Zeit nicht mehr auf den großen General-Interest-Websites, sondern auf unbekannteren Websites zu Spezial-Themen.» So sehr mich dies als Blogger freut, sosehr stellt es natürlich die Marketing-Verantwortlichen vor ein grosses Problem: Wie, bzw. auf welchen Seiten erreiche ich nun meine Zielgruppe(n)? Meiner Meinung nach etwa so: Durch gezielte Beobachtung der Blogosphäre müssen die für das Unternehmen relevanten Blogs, Vlogs etc. herausgearbeitet werden. So kann auf ihnen - sei es über Google Ads oder anderweitig - gezielt geworben werden. Im Idealfall strebt man eine Kooperation mit den Betreibern der relevanten Angebote an.
Passend dazu noch dieser Hinweis:
team:inmedias hat eine Online-Marketing Studie 2005/06 verfasst, die u.a. den folgenden Fragen nachgeht:
- Welche Erfahrungen haben deutsche Unternehmer bzw. Marketingverantwortliche bisher mit dem Einsatz von Online-Marketinginstrumenten gemacht?
- Was waren die Ursachen für den Erfolg?
- Gibt es besonders erfolgreiche Gruppen und wie ist deren Erfolgsrezept?
Die Studie kann
hier bezogen, bzw. ein kostenloses Extrakt heruntergeladen werden.
[ Blogosphäre ]
Autor: Michael Gisiger
@ 14.06.2006 20:52 CET
Scoopt vermarktet nun nach Fotos und Videos auch Blog-Content oder andere Wortbeiträge. Dazu muss man einen Account eröffnen und einen Button einbinden. Falls jemand den Content kommerziell nutzen will, kann er auf diesen Button klicken und den Erwerb abwickeln. Sccopt behält dabei 50 % des Erlöses ein, der Rest geht an den Autor.
Ich habe mich zu Testzwecken angemeldet und den Button eingefügt (s. Navi rechts) - obwohl ich nicht denke, dass jemand ernsthaft an der Zweitverwertung meiner Texte interessiert ist.
Nice to have.
Falls es trotzdem jemanden interessieren sollte:

[ Blogosphäre ]
Autor: Michael Gisiger
@ 17.05.2006 19:59 CET
In der aktuellen
«Werbewoche» beschreibt Kolummnist
Oliver Fahrni (Jg. 1955) - laut Selbstdeklaration freischaffender Journalist - sein «
Fazit nach einer Nacht in der Blogosphäre». Schon der Lead verheisst kaum Gutes: «
Privat mag sie nützlich sein, gesellschaftlich verhandelt aber wird per Netz nichts.» Und in der Tat, Fahrni erweist sich als typischer Vertreter der alten (Massen-)Medien. Für ihn sind Blogs schlicht «Mikromedien in einem fundamentalen Problem gefangen – der Vernichtung von Öffentlichkeit. Der Blogger sagt Ich. Er spricht zur Dachluke hinaus und hofft, man höre ihn. 400 Besuche auf einem Blog gelten schon als exzellente Einschaltquote. Und so sehr sich die Blogger auch um Vernetzung mühen – sie bleibt ein Popanz. Privat und für kleine Communities mag sie nützlich sein, gesellschaftlich verhandelt aber wird per Netz nichts.»
Ja, klar. Da wird in Reichweiten, Einschaltquoten und Leserzahlen gedacht. Anderes zählt ja im aktuellen Wischi-Waschi-Mainstream-Journalismus der etablierten Medien nicht. Einmal mehr hat sich da einer den Frust von der Seele geschrieben. Schade eigentlich, denn etwas
Umdenken könnte nicht schaden.
[ Blogosphäre ]
Autor: Michael Gisiger
@ 08.05.2006 21:54 CET
Letzten Freitag gingen sie über die Bühne, die «1. Swiss Blog Awards». Ich war zwar dort, konnte aber nur am Rahmenprogramm teilnehmen. Die beiden Diskussionen haben mich nicht vom Hocker gerissen, aber gänzlich uninteressant waren sie nicht. Darum auch keine Nachlese (kann man auf dem
Blog zur Veranstaltung selber nachlesen). Das Voting zur Verleihung habe ich also verpasst. Darum hier nur kurz die Sieger - lieber spät als nie:
A propos Pendlerblog: Die Macherin von
textually.org, Emily Turettini aus Genf, liess kürzlich im «Le Matin Bleu» verlauten, sie verdiene mit Google-Ads um die 5'400 Franken im Monat. Nice. Auch ihre Aussage im Artikel:
«Nous les bloggers, nous sommes comme des requins, nous devons toujours chercher quelque chose à nous mettre sous la dent, sinon nous sommes morts. Si mon site n'est pas alimenté pendant deux jours, il disparaîtra. En mon absence, je dois engager quelqu'un.»
Ab morgen ist die neue Ausgabe des
«Economist» mit einem Survey zur Blogosphäre erhältlich:
«Blogs, vlogs, metaverses, folksonomies, podcasts. Will new media have as big an effect on business, society and politics as they are having on dictionaries?»
Online ist ein Teil des Surveys bereits abrufbar: »
LinkEbenfalls online abrufbar sind einige interessante Audio-Interviews, u.a.:
- David Sifry, Founder and CEO, Technorati: MP3
- Chris Anderson, Editor-in-Chief of «Wired»: MP3