Springer, Web 2.0 und das Ende der Gatekeeper
Dr. Mathias Döpfner, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender von Springer und studierter Musikwissenschafter, über neue und alte Medien:
In einem auf Deutsch bei SPON erschienenen Essay äusserte sich Alan Rusbridger, Chefredakteur des «Guardian» auch wie folgt:
«Die Zeitung ist ein horizontales Medium, es erweitert Informationen und führt den Leser», dagegen ist «das Internet ... ein vertikales Medium, es vertieft Informationen, und es bezieht den Nutzer interaktiv ein.»Besser hätte ich es nicht formulieren können. Aber ich nenne das schlicht das «Ende der Gatekeeper». Die klassischen Medien werden immer mehr ihre Katalysator- und Meinungsbildungsfunktion einbüssen. Nich umsonst verlegen sich immer mehr Printprodukte auf eine Web first-Policy, d.h. aktuelle Meldungen erscheinen im Netz zuerst, in der Printausgabe folgen dann Hintergrundartikel. Springers «Welt» gehört nun auch dazu. Und just in diesem Zusammenhang hat sich Döpfner auch geäussert.
In einem auf Deutsch bei SPON erschienenen Essay äusserte sich Alan Rusbridger, Chefredakteur des «Guardian» auch wie folgt:
«Bloomberg, Blogger und die BBC
Natürlich gibt es eine gewisse Konkurrenz zwischen der Internet- und der Printausgabe des "Guardian". Aber man müsste schon blind sein, um zu denken, dies sei die einzige Konkurrenz, oder auch nur die wichtigste - wie man auch Scheuklappen tragen müsste, um zu meinen, wir würden heutzutage nur mit unseren Kollegen von den anspruchsvolleren britischen Zeitungen konkurrieren.
Wenn wir beschlossen hätten, die Meldung zum Tod von Sarkawi 24 Stunden lang zurückzuhalten, hätte wir damit nur erreicht, dass sich die Leser der "Guardian"-Internetseite Nachrichtenquellen zuwenden, die sich nicht an unzeitgemäße Terminregelungen halten. Diese Leser hätten sich bei Reuters, bei der BBC, bei Google News, Yahoo, MSNBC, der "New York Times" oder einer Heerschar anderer völlig verlässlicher Internetseiten - auch Blogseiten - informiert.
Ich vermute, wir werden aufgrund unserer Entscheidung einige Printleser verlieren; wahrscheinlich werden es aber kaum mehr sein als die, die wir (und alle anderen) ohnehin verlieren aufgrund einer sanften Abwanderung von Print- zu Internetmedien.
Heutzutage hat der "Guardian" in New York mehr Internetleser als in Birmingham. Weit mehr als sechs Millionen nordamerikanische Einzelleser können jetzt regelmäßig unsere Internetseite abrufen - oft gleich am Morgen Ortszeit. Diese Leute wollen die aktuellen Meldungen lesen, nicht bis zum nächsten Tag vertröstet werden. Was für Auslandsmeldungen gilt, ist bei Finanzmeldungen erst recht der Fall.»









